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Zitate über Anton Bruckner Zeitgenossen und "Nachgeborerene" (keine Dirigenten!) über Bruckner und dessen Werk

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Alt 23.01.07, 12:17   #1 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
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Registriert seit: 22.01.2007
Beiträge: 127
Hugo Wolf

"Ich muß Sie aber allen Ernstes ersuchen, mich künftighin nicht "Meister" zu apostrophieren. ..."Nicht Meister, nein, will ohne Meister selig sein!" Deshalb verachte ich aber die wirklichen Meister noch lange nicht; im Gegenteil habe ich einen gar gewaltigen Respekt vor ihnen, z. B. vor Bruckner, der freilich ein großer Meister vor dem Herrn ist und der Einzige unter den Lebenden, vor dem ich mich beuge."

(Hugo Wolf an P. Müller am 2. Mai 1896)

Gruß Wolfgang
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Alt 25.01.07, 10:51   #2 (permalink)
Wolfgang
Super-Moderator
 
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Registriert seit: 22.12.2006
Ort: Im Emsland
Beiträge: 911
"Daß Bruckner gestorben ist, wirst Du wohl schon durch die Zeitung erfahren haben. Morgen ist das Leichenbegängnis. Die Leute haben heute noch keine Ahnung von der Bedeutung dessen, dem sie morgen das letzte Geleite geben."

(Hugo Wolf an H. Potpesching am 12. 10. 1896)
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
Wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.01.07, 11:52   #3 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
Benutzerbild von his masters voice
 
Registriert seit: 22.01.2007
Beiträge: 127
"... Ich gedachte vorhin des Herrn Bruckner als eines Titanen im Kampfe mit den Göttern. In Wahrheit wüßte ich kaum ein passenderes Bild, die Eigentümlichkeiten dieses Komponisten zu bezeichnen. Lob sowohl als Tadel finden sich in gleicher Weise darin verteilt.
Rohe Naturkräfte im Streite mit der geistigen Übermacht oder, auf den Künstler übertragen, eine außerordentliche Naturkraft, Frische und Naivetät im Widerspruche mit dem musikalischen Bewußtsein, der Intelligenz, den Resultaten einer der Zeit gemäßen Bildungsstufe, das sind die Hauptmomente im dem Schaffen dieses Künstlers, die sich aber unglücklicherweise im Antagonismus befinden. Hätte der Komponist diese Widersprüche ausgleichen können, er wäre ohne Zweifel zu einer an die Bedeutiung Liszts heranreichenden Größe herangewachsen.
Der Mangel an Intelligenz, das ist es, was uns die Brucknerschen Sinfonien bei aller Originalität, Größ, Kraft, Phantasie und Erfindung so schwer verständlich macht. Überall ein Wollen, kolossale Anläufe, aber keine Befriedigung, keine künstlerische Lösung.
Daraus entspringt die Formlosigkeit seiner Werke, die scheinbare Überspanntheit des Ausdrucks. Bruckner ringt noch mit der Idee und hat nicht den Mut, dieselbe an die Spitze zu stellen und so mit klarem Bewußtsein weiterzuschreiten...

Trotzdem kann man die Symphonien Bruckners als die bedeutendsten symphonischen Schöpfungen, die seit Beethoven geschrieben worden sind, bezeichnen. Es sind die Werke eines verunglückten Genies, ähnlich wie die kolossalen Dichtungen Grabbes. Kühne, großartige Konzeptionen sind beiden ebenso gemein als das Zerfahrene, Formlose in der Durchführung.
Es lohnte sich also wohl die Mühe, diesem genialen Stürmer etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und es ist ein wahrhaft erschütternder Anblick, diesen außerordentlichen Mann aus dem Konzertsaal verbannt zu sehen, ihn, der unter den jetzt lebenden Komponisten (Liszt natürlich ausgenommen) den größten Anspruch hat, aufgeführt und bewundert zu werden".
Hugo Wolf im "Salonblatt" vom 28. Dezember 1884

(aufgelesen: Batka/Werner: Hugo Wolf, Musikalische Kritiken)
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