| Über Bruckners IX. "Der zweite Bestandteil der Hauptgruppe [im 1. Satz] ist eine Wendung der Hörner nach Ces. Dieses herrliche Aufatmen, eine Glanzstelle der Wiener Uraufführung von 1903, erquickt uns noch zweimal, zu Beginn der Durchführung; es kennzeichnet die innere Größe des Werkes. Die einzigartige Endwirkung des Allegros beruht darauf, daß eben jener Aufschwung mißglückt."
"Unvergeßlich wird jedem, der die Uraufführung unter Löwe hörte, auch das Scherzo geblieben sein; die Orchesterleiter im Reiche haben es, soviel ich beurteilen kann, mit Ausnahme Pohligs, zu wenig ernst genommen, als handelte es sich um ein romantisches Spiel mit üblichem Gespensterspuk. Dieser Rhytmus fährt mit der Strenge apokalyptischer Reiter heran. Ein gleichmäßiger Schwung scheint alle Motive an sich zu ziehen. Was sich an zarteren Regungen hervowagt, wird verschlungen und einer Grundstimmung dienstbar gemacht, die den Wirbel des geschehens erbarmungslos dreht. Es ist ein Humor, der seine überlegene Wirkung vor allem der durchgreifenden Willenskraft verdankt.
Ein flug- oder pfeilschnelles Zeitmaß bleibt dem Trio aufgespart, dessen Hauptteil keine behagliche erleichterung gewährt, sondern eine prickelnde Hochspannung einschaltet, die eher an Berlioz als an Schubert gemahnt. Wie ein trio im Trio sind allerdings die dreimal zwischentretenden ruhigeren Teile gemütvollen Ausdrucks. Aber auch sie geben sich einer Beschwingtheit hin, die zum Beispiel die Flötenfiguren des mittelsten Abschnittes flattern läßt. Die Instrumentierung bringt die Holzbläser zur Geltung und gibt den gedämpften Saiten gezupfte Begleitakkorde zu springendem Bogen. Die Ausführung ist schwer."
Kark Grunsky, "Anton Bruckner", 1922, Kap. 5, S. 94 & 95 |