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Alt 09.05.08, 16:15   #11 (permalink)
honigschlecker
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Registriert seit: 05.07.2007
Beiträge: 54
Danke für den Hinweis, Holger! Erwähnenswert vielleicht auch, dass bei Amazon eine CD desselben Dirigenten gelistet ist mit Tschaikovskys Pathétique.


Bruckners Achte durfte ich ja mal anhören (danke nochmal), da fand ich einige etwas unmotivierte Tempoveränderungen allerdings etwas unbefriedigend. Trotzdem, interessant finde ich beide CDs schon. Liegen nur momentan ein paar wenige Euro über meinem Budget. Hm, muss ich mir noch überlegen.

edit: Ups, bei JPC ist diese CD ja sogar günstiger zu haben, sehe ich gerade. Hm, wenn die Versandkosten nicht wären...
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Alt 26.05.08, 09:58   #12 (permalink)
Wolfgang
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Registriert seit: 22.12.2006
Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
Zitat:
Zitat von Holger Grintz Beitrag anzeigen
Jetzt ist auch die angekündigte CD erschienen:

Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand diese CD hier rezensieren könnte.
Ich hatte im September 2007 das Glück, live bei dieser Aufführung dabei zu sein. Und es bleibt mir unvergesslich, wie zutiefst beeindruckt ich war. Dass da etwas Besonderes abgelaufen war, das hat damals wohl auch das Publikum gemerkt - es gab eine sehr ergriffene Reaktion. Wie "langsam" Kamioka diese Siebte anging, das habe ich natürlich schon damals bemerkt - aber jetzt - mit der CD in Händen - wird es noch deutlicher. Ich besitze etwa 150 CD's mir der Siebten - keine Aufnahme reicht von der Länge her an diese heran (auch nicht Celibidache, der sich nun ja wahrlich genügend "Zeit" nahm). Ich nenne zur Illustration nur mal die Länge der Sätze: 28:43; 33:33 !!; 12:07; 16:37. Und dennoch wird es niemals langatmig - alles bleibt voller Spannung. Unglaublich beeindruckend: Die Coda des ersten Satzes. Und das eigentliche Zentrum dieser Symphonie - das Adagio - ist von einer phänomenalen Durchsichtigkeit und kommt meinem persönlichen (das betone ich: persönlichen) "Brucknerempfinden" sehr nahe. Es ist an einigen Stellen fast so etwas wie eine intensiv erlebte Meditation. Und dann der sagenhafte Aufstieg zum Höhepunkt - natürlich mit Beckenschlag.
Mit einem Wort: Ich kann die Aufnahme jedem Brucknerfreund wärmstens ans Herz legen, wobei ich mir natürlich der Subjektivität meines Urteils durchaus bewusst bin.
Das Sinfonie Orchester Wuppertal bietet eine große Leistung. Als ich live dabei sein konnte, da fiel schon auf, mit welcher Hingabe - ja bei einigen Mitgliedern des Orchesters fast bis zu Erschöpfung - gespielt wurde. Und der leiseste Wink des Dirigenten wurde befolgt.
Für die Spezialisten hier noch ein Zitat von Kamioka zu dieser Siebten:
"Als ich früher die 7. Symphonie von Anton Bruckner in der Nowak-Fassung dirigierte, kamen mir viele Zweifel. Daraufhin zog ich für die diesmalige Aufführung zunächst die Haas-Fassung heran, aber auch diese Fassung befriedigte mich nicht ganz. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich dafür, die Haas-Fassung als Grundlage zu verwenden, aber auch den Brucknerschen Autographen und die anläßlich ihrer Uraufführung von Franz Schalk, Arthur Nikisch u.a. bearbeitete Partitur zu Rate zu ziehen und Teile davon auszuwählen. Ich hoffe, auf diese Weise der Feinheit des Klanges, die dem Werk eigens ist und die Bruckner sicherlich anstrebte, nahegekommen zu sein."

Gruß Wolfgang
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
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Alt 26.05.08, 23:55   #13 (permalink)
honigschlecker
Stammgast
 
Registriert seit: 05.07.2007
Beiträge: 54
Eine Rezension der beiden CDs (Bruckner + Tchaikovsky) gibt es übrigens hier.
honigschlecker ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.05.08, 08:45   #14 (permalink)
Wolfgang
Super-Moderator
 
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Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
Zitat:
Zitat von honigschlecker Beitrag anzeigen
Eine Rezension der beiden CDs (Bruckner + Tchaikovsky) gibt es übrigens hier.
Dank an honigschlecker!

Und endlich mal eine Rezension, der ich aus vollem Herzen zustimmen kann!

Gruß Wolfgang
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
Wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.06.08, 16:11   #15 (permalink)
Ken Ward
The Bruckner Journal
 
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Registriert seit: 25.01.2007
Beiträge: 79
Yes, it certainly is an extraordinary performance by the Sinfonie Orchester Wuppertal, conducted by Toshiyuki Kamioka. It is a very beautiful-sounding with wonderful orchestral playing - which is a good thing because it goes on for ever! By the time Horenstein and the Berlin Phil in 1928 have packed their bags and are heading off for a half litre of Edelweiss, Kamioka's Wuppertal band are still five or six minutes away from the end of the Adagio. His first two movements last almost as long as most complete 7ths. If you listen to Celibidache Munich after Kamioka, he sounds positively jaunty. But there is something absolutely mesmeric about it, and it is a wonderful experience to listen to it; and in many respects 'it's good for what's wrong with you'.

Kamioka writes: "Previously, when I conducted this symphony using the Nowak edition, I experienced many doubts about it. This time I considered using the Haas edition; however, it too has not a few aspects that fail to satisfy me. After considerable thought, I decided to use the Haas edition as a base while referring eclectically to the composer's manuscript and the changes made by Franz Schalk and Arthur Nikisch around the time of the first performance, in order to try to approach as much as possible the original sound that I thought Bruckner probably was seeking in this sublte work." [TDK CD booklet, trans Christopher Witmer] I'm not sure what he means there other than that he uses Haas with cymbal etc. added, and the advantage of the Haas is there are far fewer tempo directions to ignore. But the first thing on all scores, whatever edition, is 'Allegro moderato' - Kamioka's 28 minute first movement doesn't even approach such a tempo, not even at the 'molto animato' (Nowak) in the development, the moment where the opening 'arpeggio' motive is inverted ff, full orchestra, bar 233, which nearly all conductors, no matter how 'moderato' their allegro, come up to speed up for.

A fine photograph of Toshiyuki Kamioka, gazing heavenwards with a great big smile, graces the cover of the CD.

Obviously, Kamioka is all wrong, wrong, wrong - but even so, it is quite wonderful! It runs for 91 minutes, and every one of those minutes is rapt and glorious, every moment one to treasure. And such wonderful silences. It is an extraordinay achievement to get the orchestra to play so slow, so coherently for so long - without resorting to electronic shenanigans like Maximianno Cobra in his 105 min. 3-movement 9th on Tempus Collection CD 12348. Goodness knows how the horns and tubas survived...

At the end, after a long silence, the audience break out into wild applause...

And then one can return to a performance with a decent allegro, a contrasting slow adagio, and a weighty finale that relates itself meaningfully to the first movement tempo - if you can find one!

Ken
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Alt 28.03.09, 00:13   #16 (permalink)
honigschlecker
Stammgast
 
Registriert seit: 05.07.2007
Beiträge: 54
Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich endlich entschlossen, mal einen "Kamioka" zu versuchen. Gewählt hatte ich Tschaikowsky (siehe oben). Und ich war leider überhaupt nicht überzeugt. Da es hier um Bruckners Siebte gehen soll, möchte ich mich dazu kurz fassen. Kamioka wählt recht eigenwillige Tempi, die teilweise eigene Akzente setzen. Nur - irgendwie fehlt mir da der Zusammenhang. Und die schnellen Passagen sind einfach ZU rasant und dadurch in meinen Ohren undramatisch. Das erinnert ja schon fast an HIP...
Tschaikowskys Pathétique gehört halt a la Bernstein oder Celibidache gespielt.
Noch die Timings von Kamiokas Aufnahme: 19:56, 07:23, 08:57 (!), 10:43

Fast ein halbes Jahr später habe ich mich dann endlich doch dazu entschlossen, auch die Siebente Bruckners mal mit diesem Dirigenten zu hören, und konnte die CD für 21 Euro zu erwerben. Und gleich der Anfang... lässt einen irritiert auf das Cover schauen: Nanu, welches Werk ist denn das? Der Einstieg gerät völlig anders als bei allen anderen Aufnahmen, die ich gehört habe. Das Tremolo der Violinen ist sehr zurückgenommen, zudem das extrem langsame Tempo, dadurch ergibt sich zunächst ein fast fahler Klang, der ganz langsam opulenter wird. Im Grunde genommen passt die Vorschrift zur Neunten hier: Misterioso. Um nicht zu sagen: Misteriosissimo.
Klar ist: Allegro moderato ist das nicht. Ist das überhaupt noch Bruckner?! Das ist m. E. schon eine berechtigte Frage. Ich würde jedenfalls definitiv gerne Bruckners Neunte von Kamioka hören. Das wäre sehr vielversprechend.

Wenn man sich auf den meditativen Ansatz Kamiokas aber einlässt, wird man mit einer sehr ansprechenden Aufnahme belohnt.
Das zweite Thema spielt Kamioka sehr lieblich, und beim dritten Themenkomplex geht es sogar - relativ zum Ursprungsthema - sehr bewegt zu. Diese Relationen gefallen mir recht gut, zumal m. E. ohnehin die dritten Themenkomplexe in Bruckners Sinfonien (insb. 7, 8, 9) häufig zu langsam gespielt werden. Die Temporelationen sind - nach seinem Tschaikowsky für mich überraschend - sehr gelungen.

Einziger Nachteil die extrem lange Spieldauer mit insgesamt über 91 Minuten, die mich bisher das Werk noch nicht an einem Stück hat durchhören lassen. Was man allerdings auch ein Stück weit dem Dirigenten ankreiden muss: Die Notwendigkeit des dritten und vierten Satzes erschließen sich mir in dieser Aufnahme nicht.

Auf jeden Fall möchte ich noch den Vergleich mit Celibidache erwähnen. Ich hatte nämlich den Kauf dieser CD so lange aufgeschoben, weil ich etwas ähnliches wie Celi mit den Berlinern erwartete - nur halt eher schlechter. Diese Befürchtung muss man aber nicht haben, wenn man sich den Kauf dieser Aufnahme überlegt. Den von Celis Ansatz ist Kamioka wirklich weit entfernt, trotz über weite Strecken durchaus vergleichbarer Tempi. Die Klangqualität der CD ist einwandfrei, auch der Orchesterklang weiß zu überzeugen.
Mein Fazit: Kaufempfehlung als Werk misteriös-meditativer Prägung nach Bruckner, als "Bruckners Siebte" allerdings nicht unproblematisch. Wiederum: Kamioka riskiert hier was, macht etwas neu, sicherlich auch aufgrund seines asiatischen Hintergrunds. Das ist doch bestimmt interessanter, als wie Järvi eine sicherlich prima musizierte, aber schon x-mal dagewesene Siebente einzuspielen.
honigschlecker ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.09.09, 00:02   #17 (permalink)
honigschlecker
Stammgast
 
Registriert seit: 05.07.2007
Beiträge: 54
Am 25./26. Oktober führt Kamioka wieder eine Sinfonie von Bruckner auf:
Nach dem Konzert für zwei Klaviere und Schlagzeug von Bartok steht die dritte Sinfonie auf dem Programm (Fassung leider aus dem Programmheft des Sinfonieorchesters Wuppertal nicht ersichtlich).
Dachte mir, dass dieser Hinweis hier recht gut hinpasst.
honigschlecker ist offline   Mit Zitat antworten
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