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Dirigenten zu Bruckner und Bruckners Werk von Abbado bis Zender, was fällt den Maestros zum Thema Bruckner ein?

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Alt 11.10.07, 23:34   #1 (permalink)
Feuervogel
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Registriert seit: 23.12.2006
Ort: Wien
Beiträge: 1.008
Guttenberg, Enoch zu

....Aber gerade mit der Vierten, mit der Sie jetzt in Wien gastieren, scheint es Bruckner einem leicht zu machen, seine Musik als kitschige Naturromantik zu genießen. Ich denke da an den Brief Bruckners an Paul Heyse, in dem der Komponist schreibt, im 1. Satz sei "das Horn gemeint, das vom Rathaus herab den Tag ausruft! Dann entwickelt sich das Leben; in der Gesangsperiode ist das Thema: der Gesang der Kohlmeise Zizipe …"
Das klingt alles sehr banal – und zieht das Werk dadurch auf eine enttäuschend simple Ebene, finden Sie nicht?
Ich weiß genau, was Sie meinen: Die mittlelalterliche Ritterburg, die Jagd, der Bub, der fensterlt … Aber betrachten Sie diese Bilder doch einfach mal als mittelalterliche Allegorien, dann ändert sich Ihr Blick automatisch. Gerade in der Vierten steckt für mich viel mehr als Naturromantik. Wir haben doch vorhin über die Umwelt gesprochen – und für mich ist die Vierte ein letztes Auflehnen gegen das, was in den letzten hundert Jahren geschehen ist. Glauben Sie, Bruckner hat nicht gewußt, was mit der Natur passieren wird? Für mich beschreibt Bruckner in der Vierten kein Naturidyll, das er kennt, sondern eines, das es schon zu seiner Zeit längst nicht mehr gegeben hat – aber nach dem er sich sehnt.
Und der fensterlnde Bub? Den gab’s ja 1880 schließlich noch …
Nehmen Sie auch den einmal als Allegorie, dann sehen Sie, daß hinter diesem Bild etwas ganz anderes steht: Ich fühle in dieser Musik die ungestillte Sehnsucht eines Menschen, der nie eine Frau lieben durfte, die Melancholie eines Mannes, der nie mit einer Frau geschlafen hat. Ein Schüler Bruckners erzählte einst über die Sextolen in der Sechsten, Bruckner habe ihm gesagt, das seien seine zu Stein gewordenen Tränen, weil er nie eine Frau hatte. Darum geht’s. Und so etwas muß ich dem Zuhörer zeigen! Früher sagte man gern, eine Bruckner-Symphonie sei ein Dom, ein Klanggebäude. Aber: Ein Dom hat Seitenaltare. Und ich muß auch die Seitenaltare zeigen. Oder: Früher sagte man, eine Bruckner-Symphonie sei ein Klanggebirge. Aber: Ein Gebirge hat Seen, Wiesen, Blumen. Und es ist meine Aufgabe als Dirigent, diese inneren Bilder zu zeigen – und die Emotionen, die dahinter stehen.
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