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| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Simone Young Bruckner 2 Erstfassung Es kommt ja nicht so häufig vor, dass eine Frau dirigiert. Und bei Bruckner ist das wohl extrem selten... Große Ausnahme: Simone Young! Seit August 2005 ist sie Intendantin der Staatsoper Hamburg und Hamburgische Generalmusikdirektorin der Philharmoniker Hamburg. Sie beginnt gerade mit einem Bruckner-Zyklus. Zunächst stehen die ersten vier Symphonien und die VIII. auf dem Programm. Gerade neu erschienen ist die II. in der Urfassung von 1872, in der beispielsweise das Scherzo an zweiter Stelle steht. Diese Fassung ist mein eindeutiger Favorit, wenn ich die II. höre. Und ich finde, dass diese Live-Aufnahme gelungen ist. Bemerkenswert umfangreich und recht aussagekräftig ist auch das Beiheft. Auf die Fortsetzung des Zyklus freue ich mich - ich werde dann nach Möglichkeit nach Hamburg fahren. Viele Grüße Wolfgang
__________________ "Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus) |
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| | #2 (permalink) | |
| Hoforganist Registriert seit: 26.12.2006 Ort: Breisach
Beiträge: 173
| Zitat:
Teilweise etwas kerniger und herzhaft zupackend als bei vielen anderen Zweiten - gefällt mir. Schön der panoramische Geigenklang durch antiphonische Sitzordnung der Violinen (links und rechts; eigentlich ein Muß bei Bruckner, wennn's das Orchester packt). Natürliches, aber leidenschaftliches rubato. Jetzt das Adagio. Das ist traumhaft. Sehr ruhig und "lauschend". --- Das booklet verrät, daß das ein langfristig geplanter Zyklus wird. Und John Berky verrät, daß es im Herbst eine Dritte gibt, auch in der Erstfassung. Und ich frage mich, ob Orchester und Dirigentin das nur zu Hause präsentieren, oder ob sie in die Nähe kommen? Sonst ist mal wieder eine Nordlandfahrt fällig... Grüßle laubandel | |
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| | #3 (permalink) |
| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Das wäre ja toll - ich fahre dann auf alle Fälle nach Hamburg! Und dann könnten wir uns ja mal treffen. Gruß Wolfgang
__________________ "Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus) |
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| | #4 (permalink) | |
| Hoforganist Registriert seit: 26.12.2006 Ort: Breisach
Beiträge: 173
| Zitat:
Zurück zur Zweiten: Jetzt ist gerade das Finale vorbei. MeMn goldrichtiges Tempo. Und sehr vorwärts in den treibenden Partien, überquellend lyrisch in den Gesangsperioden. Und besonders gespannt war ich auf jene Stelle in der Durchführung, wo er sich quasi "im Dorngebüsch verheddert", eine merkwürdige Passage voller Widerhaken und teilweise prae-Webernesker Dissonanz, die es nur in dieser Fassung gibt (7:24 bis 8:40, besonders gegen Ende). Da hat weder Tintner noch Eichhorn was Überzeugendes draus gemacht. Was für eine Symphonie! Wohlan, noch einmal von vorn... Grüßle laubandel Geändert von laubandel (11.04.07 um 21:25 Uhr). Grund: verschreibselfix | |
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| | #5 (permalink) | |
| Webmeister Registriert seit: 21.12.2006 Ort: Köln
Beiträge: 2.362
| Zitat:
... und ich dachte immer, Frauen interessieren sich nur für die Dirigenten Die Geschichte mit der Orchestersitzordnung interessiert mich aber jetzt; kann man das auf einer SACD heraushören, oder sieht man es auf dem Cover? | |
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| | #6 (permalink) | |
| Hoforganist Registriert seit: 26.12.2006 Ort: Breisach
Beiträge: 173
| Zitat:
ad 2: Ich finde, daß es bei vielen Aufnahmen sofort ins Ohr fällt, nicht nur bei SACD. (Zumeist höre ich mit Kopfhörern, das trennt noch besser - bei Lieveaufführungen ist es schon sehr abhängig von einer guten Akustik. Live in einer Kathedrale, da kommt sowieso alles von überall her.) Antiphonische Streichergruppierung hat zwei Effekte: Unisionomelodien in allen Geigen strömen von der ganzen Breite der Bühne herüber, eine Art akustisch Totale gegenüber einer Zusammendrängung auf einer Seitem, die ich zudem in vielen Konzertsälen als schädlich für den Ton gehört habe (Verzerrung, zuviel Überlagerung auf kleinem Raum). Der andere ist die kontrapunktische Durchzeichnung und Identifikation der Stimmen: Gerade bei Bruckner, aber auch Brahms, Tschaikowsky, Mahler, liegen die Violinstimmen nicht immer nach Ordnung der Tonhöhe übereinander, sondern durchkreutzen sich (u.a. wegen ihres jeweiligen großen Tonumfangs). Wenn die Geigen nicht ausreichend räumlich unterschieden sind, kann es passieren, daß man eine Oberstimme raushört, die nicht so komponiert ist. Zwei kleine Beispiele: Anfang der Dritten. Über dem Baß tritt erst die durchgehende tremolierende Figur der Viola ein, dann die Geigen nacheinander, was machen die da? Sie folgen einander im Kanon (im Quintabstand) und kreuzen sich dabei ständig. das ist bei der meist üblichen Sitzordnung zu schwer herauszuhören, eher tritt die jeweils oben liegende Stimme ins Bewußtsein und die andere geht fast unter. Oder, da gerade noch die Zweite im CDplayer liegt: Zweite, Adagio. Fängt an mit dem As-Dur Akkord der Streicher, c in der Oberstimme, aber Zweite Geiege. Die Melodie beginnt erst auf der zweiten Halben (es) in der 1. Gge und kreuzt dann im Takt 2 unter die 2. Gge. In Kurzschrift à la Step 3: Vl1: - - Es_ *Es_DsFGAs Vl2: C__AS______F_____ Takt:1-2-3-4- /1-2-3-4- Oberflächlich gehört: C_ES_/AS_DsFGAs/ * bedeutet Oktav tiefer; __ bedeutet liegenbleibenden Ton. Meistens wird dann die 1. Geige zum Ausgleich fürchterlich überbetont, was der Zartheit der Stelle sehr abträglich ist. Wie die tieferen Streicher positioniert sind, ist dabei ganz unterschiedlich. Simone Young hat die Bässe und Celli rechts und die Bratschen links. Grüßle, laubandel | |
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| | #8 (permalink) |
| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Sehr schön, dass ich mit meiner Meinung über die Qualität dieser Aufnahme nicht allein dastehe - wenn so ein Kenner wie Laubandel auch so beeindruckt ist, dann freut mich das ungemein... Seitdem ich diese Aufnahme habe, hat die Urfassung dieser "Zweiten" dazu geführt, dass ich mich daran kaum "satt hören" kann. Gruß Wolfgang
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| | #9 (permalink) |
| Webmeister Registriert seit: 21.12.2006 Ort: Köln
Beiträge: 2.362
| So, nachdem ich die "kommerzielle" Aufnahme nun mehrfach gehört habe (bisher hatte ich einen Radiomitschnitt, ich vermute aber, daß es eine andere Aufnahme ist, als die auf der CD), muss ich zugeben, daß ich wirklich vollauf begeistert bin. Ich kann allerdings nicht sagen, ob es am Orchester oder an der Tonqualität liegt, mich begeistert einfach dieses Werk, diese 2. Symphonie in dieser "Urfassung". Ich erwische mich inzwischen dabei, wie ich das Adagio-Thema singe oder pfeiffe, es geht mir kaum aus dem Kopf. Meiner Meinung nach ist diese Erstfassung die wesentlich "modernere" der beiden Fassungen, an manchen Stellen habe ich den Eindruck, daß ich Mahler höre (von der Instrumentation her). Jedenfalls bin ich sehr glücklich, daß es nun neben der Eichhorn Einspielung eine weitere CD von diesem Werk gibt. |
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| | #10 (permalink) | |
| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Zitat:
Von den mir bekannten Einspielungen dieser "Urfassung" halte ich diese für die eindrucksvollste - eine Art Referenzaufnahme! Wenn man diese Fassung "verinnerlicht" hat, dann weiß man, welch großartige Symphonie hier Bruckner komponiert hat. Es gibt einfach wunderbare Stellen - so z.b. das sagenhafte Hornsolo am Ende des Adagios oder die Steigerung zu Beginn des vierten Satzes bis hin zum dreifachen Forte (bei 4:10), dann eine atemberaubende Pause und dann das herrliche Zitat aus dem Kyrie der f-moll-Messe - ganz zu schweigen von dem unglaublichen Finale, das Bruckner in allen späteren Versionen abgemildert hat. Gruß Wolfgang
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