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Alt 06.04.09, 13:39   #1 (permalink)
Wolfgang
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Wolfgang
 
Registriert seit: 22.12.2006
Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
Michio Kaku: Im Paralleluniversum

Eines meiner vielen Hobbies ist die Beschäftigung mit kosmologischen Fragestellungen (vielleicht liegt das auch daran, dass mir die Symphonien Bruckners immer wie verschlüsselte Antworten auf die Frage nach dem Ursprung erscheinen).
Nun lese ich gerade das Buch "Im Paralleluniversum" (Untertitel: Eine kosmologische Reise vom Big Bang in die 11. Dimension) von Michio Kaku, einem der renommiertesten Quantenphysikern.
Im Zuge der Darstellung der String- oder neuerdings M-Theorie vergleicht er Strings mit musikalischen Gebilden. Ich finde das so interessant, dass ich mal zitieren möchte:
"String- und M-Theorie beruhen auf der einfachen und eleganten Idee, dass die verwirrende Vielfalt von subatomaren Teilchen, aus denen das Universum besteht, den Tönen gleichen, die man auf einer Violinsaite erzeugen kann oder auf einer Membran, etwa dem Fell einer Trommel."
"...Wenn wir dies neue Vokabular anwenden, entpuppen sich die physikalischen Gesetze, die in Jahrtausenden mit Hilfe sorgfältiger Experimente aufgestellt wurden, als simple Harmoniegesetze, die wir für Strings und Membranen notieren können. Die Gesetze der Chemie sind die Melodien, die sich auf diesen Strings spielen lassen. Das Universum ist eine String-Symphonie, eine 'Streichersymphonie'. Und die 'Gedanken Gottes', von denen Einstein schrieb, sind die kosmische Musik, die im Hyperraum erklingt...

Musikalische Analogie String-Entsprechung

musikalische Notation Mathematik
Violinsaiten Superstrings
Töne Elementarteilchen
Harmoniegesetze Physik
Melodien Chemie
Universum String-Symphonie
'Gedanken Gottes' Musik im Hyperraum

Komponist ?
....."

Demnach wäre Bruckner einer der größten String-Theoretiker schlechthin!

Gruß Wolfgang
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
Wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.04.09, 12:24   #2 (permalink)
Walter.T
hat sich schon eingelebt
 
Registriert seit: 21.08.2007
Beiträge: 20
Tonos

Lieber Wolfgang,

kosmologische Fragestellungen passen zweifellos sehr gut zu Bruckner. In frühen Jugendjahren hat mir die Begegnung mit Bruckners Sinfonien den letzten Impuls gegeben, Mathematik zu studieren und dort insbesondere die Grundlagentheorien, die für Theoretische Physik gebraucht werden.

Die String-Theorie hat einen frühen Vorläufer in der stoischen Physik. Die Stoiker wollten eine Physik begründen, deren kleinstes Element keine Punkte sind, sondern der Tonos. Für sie ist der Tonos das Pneuma der Dinge und durchzieht als ein inneres Bewegungsprinzip die Welt von starren Dingen (Steinen), Pflanzen, beseelten Lebewesen bis zum Göttlichen. Im Hintergrund steht eine Naturphilosophie, dass die Welt aus elementaren, verdrillten Saiten und nicht aus Punkten und Elementarfiguren aufgebaut ist.

Die Stoiker gingen auf den noch älteren Naturphilosophen Heraklit zurück, dessen Werk leider nur in unvollständigen Fragmenten überliefert ist, die zudem noch meist in polemischer Absicht gegen seine Lehre geschrieben wurden, also mit Vorsicht zu betrachten sind.

Von ihm stammt das Fragment "die Natur liebt es sich zu verstecken". Das wird leider von der ihm folgenden Naturwissenschaft nicht verstanden. Heute weiß sie nicht einmal, was damit überhaupt gemeint ist. Es wäre eine sehr weit führende Diskussion, diese Grundlagen der Naturwissenschaft weiter zu diskutieren. Ich bereite dazu ein paar Gedanken vor. Aber immer, wenn ich drohe den Faden zu verlieren, kann Musik wie die von Bruckner neues Innehalten geben.

Viele Grüße,
Walter
Walter.T ist offline   Mit Zitat antworten
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