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| Buchvorstellung - Rezensionen hier dürft Ihr Euren Senf zu gerade gelesenem abgeben. |
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| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Hinrichsen: Bruckner-Brahms Hallo Leser, ich habe soeben ein interessantes Buch erhalten, das erst im Dezember 2006 erschienen ist und vielleicht vielen Brucknerinteressierten noch nicht bekannt ist. Hans-Joachim Hinrichsen, Bruckner - Brahms Der Untertitel lässt auf spannende Erkenntnisse hoffen: Urbanes Milieu als kompositorische Lebenswelt im Wien der Gründerzeit Das Buch ist im Bärenreiter-Verlag erschienen. Wenn ich es "durch" habe, sage ich vielleicht mehr dazu! Gruß Wolfgang
__________________ "Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus) |
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| | #2 (permalink) |
| Super-Moderator Registriert seit: 22.12.2006 Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
| Ich komme noch einmal auf dieses Werk zurück, weil es ungemein interessant ist. Die Beiträge der namhaften Autoren stammen aus Symposien zu den Züricher Festspielen 2003 und 2005. Sie handeln nicht von den Gegensätzlichkeiten Brahms - Bruckner. Jeder Aufsatz beschäftigt sich mit einem Spezailthema zu einem der beiden Komponisten. Beispiel: "Die kleine Ketzerei innerhalb der größeren: Bruckners Sechste Sinfonie" von Peter Gülke. Sehr empfehlenswert! Gruß Wolfgang
__________________ "Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus) |
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| | #3 (permalink) |
| hat sich schon eingelebt Registriert seit: 21.08.2007
Beiträge: 20
| Vom Beginnen Lieber Wolfgang, vielen Dank für den Hinweis auf dieses Buch, das ich mit Interesse gelesen habe. Zu Bruckner gefallen mir besonders die Beiträge von Alfred Dorschel "Vom Beginnen" und von Peter Gülke zur 6. Sinfonie A-Dur, die sehr zum Weiterdenken anregen. In der Volksmusik wird einfach mit einer Melodie begonnen. Beethoven hat das noch einmal wunderbar mit den ersten Takten seiner Pastoral-Sinfonie wiederholt. Mit der sakralen und der daraus hervorgegangenen Kunstmusik wurde es jedoch wichtig, für das Musizieren eine hervorgehobene Stimmung, eine besondere Situation zu schaffen. Das war die Aufgabe der Introduktion. Nirgends sehe ich die Introduktion so organisch in das gesamte Musikwerk eingebunden wie bei Haydn. Bei ihm stellt die Introduktion eine gehobene, freudige Stimmung her, die sich dann im weiteren frei entfaltet und zum Auskehr im Finale führt, so bereits in den frühen Tageszeiten-Sinfonien Le Matin, Le Midi, Le Soir. Mozart hat das in seinen Serenaden fortgeführt, aber in den Sinfonien ist immer deutlicher zu spüren, welch größeres Gewicht der Anfang bekommt. Die 38. und 40. Sinfonien zeigen zwei Extreme. Die Prager Sinfonie beginnt mit einer klar an der Tradition orientierten Introduktion, doch zeigt die einsetzende Pauke (wenn sie denn deutlich genug gespielt wird, wie etwa in der Aufnahme mit Charles Mackerras) eine Besinnung nach innen, eine aufgewühlte Stimmung, einen pochenden Rhythmus, der bereits Vorbote weiterer Steigerungen etwa in Bruckners 6. Sinfonie ist. Ganz anders die 40. Sinfonie. Die Introduktion ist auf ein Minimum verkürzt, um so schnell wie möglich mit der Melodie zu beginnen. Und hier ist erstmals der unbestimmte Ursprung zu hören, wie es dann über Beethovens 4. und 9. Sinfonie, Schuberts h-Moll-Sinfonie zu Bruckner führt. Zurecht hebt Dorschel bei Bruckner die 4. Sinfonie hervor, hat Bruckner doch dort beides einzigartig zu integrieren versucht: Aus der Introduktion ist die Stimmung des Ursprungs geworden, reduziert auf einen einzigen stimmungsvollen, unbestimmten Ton der Streicher, und daraus entwickelt sich eine unverkennbar den Naturlauten abgelauschte Melodie. Völlig aus dem Rahmen fällt die 6. Sinfonie, die Gülke mit ihrem ostinaten Rhythmus als "ungeduldige Musik" bezeichnet. Hier ist Bruckner etwas gelungen, was im 20. Jahrhundert in zahlreichen Stücken des Jazz und Rock fortgeführt wurde. Dies Buch handelt nicht nur von Bruckner, sondern auch von Brahms. Dessen Einleitung zur 1. Sinfonie zeigt eine weitere Möglichkeit. Was bereits in Mozarts Prager Sinfonie angedeutet war, tritt hier absolut in den Vordergrund. Wird diese Sinfonie intensiv, aber eher langsam gespielt, werden die Paukenschläge unterstützt von einer schwingenden Bewegung der tiefen Streicher, wie es Charles Münch mit dem Orchestre de Paris gelungen ist, dann ist der Abstand zu Bruckner gar nicht mehr so groß. Mit dieser Einleitung hat Brahms zweifellos gezeigt, dass er keineswegs nur konservativ und akademisch war. Solche Schocks gingen dann etwa über Prokofjews 3. Sinfonie direkt weiter in die härtere Gangart bis zu Stücken wie dem Blackmail Man von Ian Dury. Einen schönen Sonntag wünscht, Walter |
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