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Bruckner und die Welt Was geschah in der Welt zwischen 1824 und 1896, und wie mag Bruckner diese Ereignisse wahrgenommen haben?

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Alt 22.11.07, 20:07   #1 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
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Registriert seit: 22.01.2007
Beiträge: 127
Bruckner-Chronik 1824

Anton Bruckner - Ansfelden
04. September: wird als ältestes von elf Kindern (von denen nur fünf überleben) des Schullehrers Anton Bruckner (1791-1837) und seiner Ehefrau Theresia geb. Helm (1801-1860) um 04.30 Uhr morgens im alten Schulhaus im oberösterreichischen Dorf Ansfelden bei Linz geboren. Die Taufe auf den Namen Joseph Anton wird durch den St. Florianer Chorherrn Joseph Guttenthaler um 17 Uhr desselben Tages in der Kirche vorgenommen, Patin ist Rosalia Mayrhofer (Tante der Mutter Bruckners), Wirtschafterin im Pfarrhof zu Wolfern bei Steyr.
Wohnt im Schulhaus, in dem der Lehrersfamilie eine Dienstwohnung zusteht.

Noch lebende Verwandte:
Väterliche Linie:
1. Großvater Josef Bruckner, geb. 1749 in Oed, Niederösterreich, gest. 21.04.1831 in Ansfelden. Lebt im Brucknerschen Haushalt.
Wechselt vom Beruf des Faßbinders zum Lehrer, nach einigen Jahren als Schulgehilfe Ansfeldener Schulmeister (Trivialschule = Volksschule) als Nachfolger seines späteren Schwiegervaters Sebastian Kletzer. Versieht die von altersher eng miteinander verbundenen Kirchen- und Schuldienste bis 1822. Außerdem Funktion als herrschaftlicher Amtmann. Seine Familie lebt in kleinbürgerlichen Verhältnissen, ist von materieller Not des Alltags befreit, denn trotz der schweren Zeiten im Zuge der Napoleonischen Kriege und ihrer Folgewirkungen besteht ein bescheidener Wohlstand.
2. Tochter (Tante Bruckners) Anna Maria, geb. 1784 in Ansfelden, gest. 08.08.1855 in Ebelsberg (ca. 7 km von Ansfelden entfernt). Lebt unverheiratet und später erblindet in Ansfelden im Brucknerischen Haushalt und dann bei Bruckners verwitweter Mutter in Ebelsberg.
3. Tochter (Tante Bruckners) Josefa, geb. 1785 in Ansfelden, gest. 17.09.1826 in Hörsching.
- verheiratet mit Schulmeister Joseph Weiß, gest. 08.09.1850 in Hörsching.
4. deren Sohn (Cousin Bruckners) Johann Baptist Weiß, geb. 1813 und gest. 10.06.1850 in Hörsching. Firmpate, Freund und Lehrer Bruckners. Gilt bald als einer der besten oberösterreichischen Musiker seiner Zeit. Bruckner gedenkt seines Vetters zeitlebens in Dankbarkeit und Trauer: Mit 37 Jahren verübt der Hörschinger Organist und Lehrer auf dem Friedhof seines Heimatortes Selbstmord durch Erschießen, da man ihm fälschlicherweise einen Fehlbetrag in einer übernommenen Vereinskasse zur Last legt.
Mütterliche Linie:
5. Cousin Franz X. Zachhuber, geb. 1819 in Sierning, gest. 21.01.1854 in Windischgarsten.
Unterstützt um 1836/37 in ganz jungen Jahren Vater Bruckner im Schuldienst, wird Lehrer in Kirchdorf und Windischgarsten.

MUSIK - Österreich
Februar -Wien
Franz Schubert schreibt für Ferdinand Graf Troyer Oktett in F-Dur. UA im Haus des Auftraggebers
7. Mai - Wien
In einer großen Beethoven-Akademie im Kärntnertortheater werden die Ouvertüre op.124, Kyrie, Credo und Agnus dei aus der "Missa solemnis" sowie die 9. Symphonie zum ersten Mal aufgeführt. Der Erfolg des Konzertes, für welches das Orchester auf 24 Geigen, 10 Bratschen und 12 Celli und Kontrabässe erweitert worden war, war groß, die finanziellen Einnahmen blieben aber weit unter den Erwartungen. Eine Wiederholung am 23. Mai erbrachte sogar ein Defizit von 800 Gulden.
Mai -Wien
Zum zweiten Mal begleitet Franz Schubert die Familie des Grafen Esterházy als Musiklehrer auf den Sommersitz im ungarischen Zelesz. Werk-Ausbeute der Sommer- und Herbstmonate: Neben den großen Werken für Klavier zu vier Händen der Sonaten, B-Dur, C-Dur und anderen, komponiert Schubert das Streichquartett a-Moll.
Wien
Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien erwirbt eine Sammlung des Linzer Domkapellmeisters Franz Glöggl mit 43 historischen Musikinstrumenten, 30 Autographen und zahlreichen Musikerporträts. Es wird beschlossen, die Sammlung laufend zu erweitern und überdies der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

MUSIK
GEBURTSTAGE
02. März, Leitomischl: Smetana, Bedřich (Friedrich) (gest: 12.05.1884, Prag) Komponist
24. Dezember, Mainz: Peter Carl August Cornelius (26.10.1874, Mainz) Komponist und Dichter

GEISTIGES LEBEN
- Herbart: "Psychologie als Wissenschaft"
- Ranke: "Zur Kritik neuerer Geschichtsschreibung" (Anfänge seiner objektiv-kritischen Geschichtsschreibung, zu zeigen, "wie es gewesen ist")
- Gründung der Berliner Missionsgesellschaft (ev.)
- National Gallery, London gegründet

Literatur
- Heine: "Harzreise" 1. Teil
- Graf G. Leopardi (ital. Dichter des "Weltschmerzes"): "Canzoni"
- Literarische "Mittwochgesellschaft", Berlin

Bildende Kunst
- C.D. Friedrich: "Vor Sonnenaufgang im Gebirge"
- F. Gérard: "Daphnis und Chloe"

POLITIK
- Karl X. König von Frankreich: Reaktion
- Vereinigung Jülich-Cleve-Berg und Niederrhein zur preußischen Rheinprovinz
- Aufhebung der Anti-Gewerkschaftsgesetze in England
- Peru wird von spanischer Herrschaft befreit

WISSENSCHAFT, TECHNIK
- Sadi Carnot: Nutzeffekt von Wärmekraftmaschinen
- J.W.v. Goethe: Wirbeltheorie des Schädelbaus
- L.A. Seeber: Erste Atomtheorie der Kristalle

TÄGLICHES LEBEN
- 1. deutsche Einwanderung in (Süd-)Brasilien
- 1. Karnevalsumzug in Köln
- Erster Tierschutzverein in London
- Kunstleder von Hancock
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Alt 04.03.08, 21:47   #2 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
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Registriert seit: 22.01.2007
Beiträge: 127
Beschreibung der frühen Jugend 100 Jahre später

"Vor den Zimmerchen, in denen er aufwuchs, erstreckte sich bis zur Bank über dem Rande des munter rieselnden Dorfbaches ein kleines, wohlgepflegtes Gemüsegärtchen. Rebenumsponnen, von Lindenwipfel-Wehn umfächelt guckte das Lehrerhäuschen versonnen hervor aus Rosen und Reseden, Rittersporn und Sonnenblumen. Zwischen dieses Beeten, die mit knallbunten Glaskugeln geschmückt waren, in denen das Flirren des Tages sich spiegelte, tollte, gekost und umflüstert vom Finden und Fliehen der Düfte und Blüten, das Kindlein am liebsten. Dort suchte sein Händchen das Sonnenlicht zu haschen."

aus: August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild. Regensburg 1922-1937, Band 1, Seite 77


Ansfelden. Aquarell von Franz Kulstrunk, 1927 (Sängerbund Frohsinn, Linz)
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