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Bruckner-Projekte below the line Hier werden Bruckner-Projekte vorgestellt, die mit dem klassischen Konzertbetrieb wenig oder gar nichts zu tun haben, auch eigene brucknernahe Kompositionen sollen hier vorgestellt werden

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Alt 02.04.08, 20:57   #1 (permalink)
Fuff
Stammgast
 
Registriert seit: 03.12.2007
Ort: Luxemburg-Stadt
Beiträge: 46
Kuriosität, oder?

Guten Abend,

Seit Kurzem gibt es folgende 3sätzige Bruckner 9 Einspielung zum Downloaden :
- New release - Nouvelle parution - March / Mars 2008 - Bruckner - Symphony No. 9

Gesamtdauer +/- 1 Stunde und 47 Minuten!!!

Der "low resolution" Download ist gratis; bessere mp3 Qualität kostet 2 Euros, Wav Download 3 Euros, und die CD ist für 11 Eueos zu haben.

Was soll man davon halten? Sowohl von dieser Brucknerinterpretation, wie auch von Maximiano Cobra und seiner Tempus Theorie (weiterführende Infos gibt es über obenerwähnten Link).

Einen angenehmen Abend wünscht euch,

Patrick Leclerc.
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Alt 05.04.08, 10:06   #2 (permalink)
Fuff
Stammgast
 
Registriert seit: 03.12.2007
Ort: Luxemburg-Stadt
Beiträge: 46
Korrektur!

SORRY!

Aber der WAV download kostet nicht 3 euros, sondern "+ 3 euros" (auf die 2 euros des mp3 downloads bezogen).
Also 5 euros im Ganzen.

Da mich Aussenseiter magisch anziehen (und 5 euros sind ja auch nicht die Welt), habe ich mir die WAV Version soeben angeschafft. Meine Eindrücke werden folgen...

Grüsse,

Patrick.
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Alt 05.04.08, 10:30   #3 (permalink)
Wolfgang
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Wolfgang
 
Registriert seit: 22.12.2006
Ort: Im Emsland
Beiträge: 945
@ Fuff

Herzlichen Dank für diesen Hinweis - habe mich da gleich angmeldet und die CD bestellt, nachdem ich die "Tempus-Theorie" nachgelesen habe. Ob das eine Kuriosität ist, das werde ich erst wissen, wenn ich die CD gehört haben werde. Freu' mich schon drauf!

Schönes Wochenende
Wolfgang
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
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Alt 05.04.08, 11:53   #4 (permalink)
Magnifixus
Stammgast
 
Benutzerbild von Magnifixus
 
Registriert seit: 25.09.2007
Beiträge: 98
Ich habe mir mal die kostenlose Version heruntergeladen. Leider habe ich noch nicht die eit gehabt, richtig reinzuhören, nur erster Satz bis zum Ausbruch des Hauptthemas. Ist schon eine eigenartige Erfahrung, das in diesem Tempo zu hören.

Die technische Qualität ist gar nicht so mies wie man befürchten könnte, für einen ersten Eindruck reicht das dicke aus. Das ganze Konzept finde ich spannend, habe aber die Theorien noch nicht gelesen. Eindrücke werden ebenfalls folgen.
__________________
Hier könnte meine Signatur stehen ...
Magnifixus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.08, 10:47   #5 (permalink)
Fuff
Stammgast
 
Registriert seit: 03.12.2007
Ort: Luxemburg-Stadt
Beiträge: 46


Guten Morgen.

Soeben verbrachte ich 1 Stunde 45 Minuten und 4 Sekunden vor meiner Bose Anlage, nachdem ich den 44.1 Wave Download auf CD-R gebrannt habe. Die Aufnahme klingt schon verdammt eindrucksvoll! Manchmal vergass ich sogar fast, dass ja kein Orchester in Fleisch und Blut spielt, sondern, dass die Vienna Symphonic Librarie - das monumentale digitale Tonprojekt - hier die Noten in Klang umsetzt (zur Information : "This CD was made with 100% acoustics samples of the following collections: Vienna Symphonic Library and Europa Philharmonia. The full score was played manually on the organ by Maximianno Cobra. This production required 6 months of work.") ! Ich schwelgte im Klangmeer...
Aber, indem der Freimaurer Maximianno Cobra die Geschwindigkeit halbiert, schafft er ein anderes Werk. Maximianno Cobra entwickelte seine Tempus Theorie ja aus den Metronomangaben von Beethovens Sinfonien (siehe Texte auf seiner Homepage). Auf Bruckner ist diese Theorie (unabhängig davon, was man von ihr hält) bestimmt nicht direkt übertragbar. Was bezweckt er denn nun damit? In welchen von Ihm erschaffenen Tempel will er uns hineinführen? Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel zum Verständniss von Cobras Ansatz in seinem freimaurischen Umfeld liegt. Propagiert er nicht vielleicht eine neue Bewusstseinserweiterung auf Basis der Langsamkeit?

Beim Anhören seiner Interpretation musste ich mich erst einmal überwinden. Die radikale Verlangsamung erschwert die Erfassung der Struktur. Etwas in mir wollte den Lauf der Klänge beschleunigen. Da dies aber nicht möglich war, entschloss ich mich, mich einfach Cobras Tempo hinzugeben. Und somit verlangsamte sich alles um mich herum.

Aber, ist dies noch Bruckners Neunte?
Es sind sehr wohl Bruckners Noten (er benutzt B. Cohrs Ausgabe; zur Information : "SCORE VERSIONS used on this recording Musikwissenschaftlicher Verlag, ed. Nowak, ‘second revised edition’, 1951. (ABSW IX) Eulenburg (467), ed. Nowak, 1995 Musikwissenschaftlicher Verlag, ed. Benjamin-Gunnar Cohrs, 2000 “New critical edition, with reference to the work of Alfred Orel and Leopold Nowak” (ABSW zu IX)"). Aber, wie ich es schon oben andeute, scheint es mir, dass Cobra diese Noten primär im Rahmen seiner Logenarbeit für seine maurische Arbeit gebraucht.
Ich habe mir auch schon Cobras Einspielung von Schuberts Grosser angehört. Und dabei erging es mir ähnlich wie bei seinem "Bruckner".
Ich empfinde die Aufnahmen als hörenswert, aber primär nicht um die betreffenden Werke tiefer kennenzulernen, sondern eher um zu erfahren wie Maximianno Cobra z. B. Bruckners Neunte einsetzt um sich seinem Ziel zu nähern. Und dieses Ziel ist eine andere, bessere (?), Welt.

Aber, befindet sich der junge Maurer nicht vielleicht doch auf einem Holzweg? Könnte unsere Welt denn wirklich so einfach gestrickt sein, dass es nur genügte die Tempi der Werke der grossen Komponisten zu halbieren um eine notwendige Bewusstseinserweiterung in Gang zu setzen? Doch, was Cobras Einspielung dem Zuhörer auf einer Seite gibt, das nimmt sie ihm auf der Anderen!
Durch die Langsamkeit durchschritt ich zwar die Pforte zu Cobras Tempel.
Aber, ich verlor die unermesslichen Einblicke in die Höhen und Tiefen von Bruckners Seelenleben. Und damit auch in meine Ureigenen!
Genauso wie mir die abyssinalen Abgründe bei Schuberts "Der Tod und das Mädchen" in Cobras Einspielung schmerzlich fehlten!

Sollte Maximianno Cobra nicht vielleicht einem Trugschluss erlegen sein?

Grüsse,

Patrick Leclerc, Luxemburg.

Geändert von Fuff (07.04.08 um 00:02 Uhr).
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Alt 06.04.08, 12:43   #6 (permalink)
laubandel
Hoforganist
 
Benutzerbild von laubandel
 
Registriert seit: 26.12.2006
Ort: Breisach
Beiträge: 173
Großmutters Menuett und andere Langsamkeiten

Guten Morgen auch nach langer Zeit,

es kommt mir so vor, als ob dem ganzen eine wahrnehmungspsychologische Irritation zugrunde liegt: "Früher war alles langsamer": Kann man immer wieder und seit alters her von älteren Herschaften hören, und, Hand aufs Herz, wer, der nicht mehr so ganz Mitte Zwanzig ist, hat das nicht auch schon selber in sich verspürt. Der Katarakt der Zeit erfaßt uns alle mit zunehmendem Lebensalter. Das erklärt für mich zum einen die Faszination der Langsamkeit, es mag eine Rückprojektion in eigene vergangene seelige Zeiten sein, eine romantische Nostalgie. Was die Theorie von herrn Retze Talsma betrifft, so ist sie seit längerem durch eine erdrückende Übermacht von Argumenten widerlegt, in Bezug auf Beethoven, durch Dokumente, in denen Mälzel Beethoven versichert, wie man genau ein Metronom zu benutzen habe, nämlich immer einen "tick" pro angegebenen Notenwert. Daran gibt es nichts zu rütteln, und die ganze Tempus-"Theorie" findet sich irgendwo zwischen Verschwörungstheorien à la "Neil Armstrong ist gar nicht auf dem Mond gelandet, sondern in Filmstudios", historisch ist daran mit Sicherheit überhaupt nichts. Bezüglich Tonaufnahmen kann man gar das Gegenteil feststellen: Bruckner wird seit den dokumentierten Anfängen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt langsamer gespielt. Intersessant sind auch die Archive der Bayreuther Festspiele, ind denne die Spieldauern seit Wagners Lebzeiten festgehalten sind, und die werden immer länger! Dabei hat sich Wagner damals schon beklagt, daß seine Werke zu langsam gespielt würden.
Fragt sich, wohin ein solcher "Tempus"-Ansatz letztlich führt. Für mich ist es ein Buchstabieren von Zählzeit zu Zählzeit und so etwas wie Metrum - nämlich die Zusammenhänge über die Taktgrenze hinweg, der langsame Grundpuls der Taktgruppen (Perioden mit ihren gerade bei Bruckner so reizvollen Längenunterschieden) kommt überhaupt nicht mehr zustande. Ich habe in Cobras Wagner, Brahms, Beethoven reingehört. Was will ich mit einer Eroica, die in achtelunterteilten Vierteln fortschreitet, anstatt im Wechsel schwerer und leichter Ganztakte. Der emporstürmende, die Bastille des ancien régime schleifende revolutionäre Mensch ist dann nicht mehr da .
Und aus den Zeit-Maßen wird eine Zeitmasse.
Abgesehen davon, daß das hier verwendete VST-Orchester für die Erstellung kostengünstiger Filmmusiken ausreichend erscheint, aber in Verbindung mit lebendig komponierter Musik unserer lieben Helden ausgesprochen tot klingt. Bitte so etwas lieber für eigene Kompositionen, Rekonstruktionen und Klangbeispiele verwenden, für die vorderhand einmal kein Orchester da ist.

Fazit: Not fascinated.

liebe Grüße,

laubandel
__________________
Das Leben ist wie ein Gartenschlauch:
Wenn man das Licht ausmacht, fällt der Fisch von der Wand.

Geändert von laubandel (06.04.08 um 13:03 Uhr).
laubandel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.08, 14:06   #7 (permalink)
Musikfreund
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Fuff Beitrag anzeigen
Also 5 euros im Ganzen.
Das finde ich nicht so schlimm. Viel ärgerlicher ist, dass ich nach dem Download nicht die angekündigte WAV-Datei vorfinde, sondern eine EXE-Datei, die ich nun erst mal zu einem Kollegen tragen muss, der Windows verwendet, damit er mir die WAV-Datei extrahiert. Abgesehen davon, dass es ja Leute gibt, die nicht mit Windows arbeiten, wäre es doch hübsch gewesen, wenn einen der Saftladen darauf hingewiesen hätte...
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Alt 06.04.08, 15:47   #8 (permalink)
Neuling
registriertes Mitglied
 
Registriert seit: 22.09.2007
Beiträge: 1
Als Kuriosum mag die Sache ganz interessant sein. Warum soll man sich das Stück nicht mal vorbuchstabieren lassen? Aber natürlich lohnt die Frage, ob dieses Tempo angemessen wäre, die Zeit nicht, die man für die Formulierung des Problems aufwenden müsste. Es war eine weise Entscheidung, kein Orchester damit zu quälen, das Stück auf diese Weise zu spielen. Denn das würde nicht gehen. Die Bläser würden einfach nach kurzer Zeit blau anlaufen und dann nach und nach umfallen. Ein Mensch muss nämlich - da mag er so spirituell sein, wie er will - gelegentlich atmen. Bei diesem Tempo ergeben sich die zwei Möglichkeiten: Entweder an Sauerstoffmangel zugrunde gehen oder die Phrasen durch Zwischenatmen zerhacken. Beides kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein. Und eine "Tempus-Theorie", die die Möglichkeiten der Instrumente und Instrumentalisten nicht berücksichtigt, kann nur Blödsinn sein. Allerdings fällt mir gerade, dass es sich vielleicht um einen stehengebliebenen April-Scherz handeln könnte?
Neuling ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.08, 16:00   #9 (permalink)
Fuff
Stammgast
 
Registriert seit: 03.12.2007
Ort: Luxemburg-Stadt
Beiträge: 46
Zitat:
Zitat von Musikfreund Beitrag anzeigen
Das finde ich nicht so schlimm. Viel ärgerlicher ist, dass ich nach dem Download nicht die angekündigte WAV-Datei vorfinde, sondern eine EXE-Datei, die ich nun erst mal zu einem Kollegen tragen muss, der Windows verwendet, damit er mir die WAV-Datei extrahiert. Abgesehen davon, dass es ja Leute gibt, die nicht mit Windows arbeiten, wäre es doch hübsch gewesen, wenn einen der Saftladen darauf hingewiesen hätte...
STIMMT!

Ich selbst bin ein "MACianer". Ich hatte mir die selbstextrahierende .EXE Datei aber über meinen Arbeits-Windows-Laptop runtergeladen (d.h., diese Unannehmlichkeit fiel mir bis jetzt noch gar nicht auf!). Aber auf dem MacBook müsste es doch trotzdem dank "Parallels" (falls man es mit Win hat) klappen...
Aber ich gebe dir vollkommen Recht.
Es nervt mich auch öfters, dass sich im Netz vieles oft nur um (und, was viel unangenehmer ist, mit ! ) Windows dreht! Da sollte man die Anbieter schon darauf hinweisen!

Grüsse,

Patrick.

Geändert von Fuff (06.04.08 um 16:04 Uhr). Grund: Schreibfehler!
Fuff ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.08, 16:16   #10 (permalink)
Fuff
Stammgast
 
Registriert seit: 03.12.2007
Ort: Luxemburg-Stadt
Beiträge: 46
Zitat:
Zitat von laubandel Beitrag anzeigen
Guten Morgen auch nach langer Zeit,

(...)
Ich habe in Cobras Wagner, Brahms, Beethoven reingehört.
(...)
Abgesehen davon, daß das hier verwendete VST-Orchester für die Erstellung kostengünstiger Filmmusiken ausreichend erscheint, aber in Verbindung mit lebendig komponierter Musik unserer lieben Helden ausgesprochen tot klingt.
(...)
laubandel
Hallo laubandel,

Die gratis low res Version klingt wirklich extrem platt und leblos. Aber die 44.1 WAVE hingegen entfaltet doch ein überraschendes Klangerlebniss. Unabhängig davon wie man nun die Interpretation einschätzt. Ich bin vollkommen mit dir einverstanden, dass durch das extrem langsame und konsequent durchgezogene monotone Tempo jede Emotionsentfaltung unterbunden wird. Aber, ich bin überzeugt (siehe oben), dass es Cobra sowieso um etwas ganz anderes geht...

Grüsse,

Patrick.
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