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| Anton Bruckner IX. Finale - nachgefragt! Hochkaräter aus der "Brucknerszene"melden sich zu Wort |
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Finale IX - das heisse Thema. WAS DENKEN SIE? Nachgefragt bei: und: Johannes Wildner ![]() Recklinghausen, 21.04.2007 (HG): Das "Dritte Ohr" (Holger Grintz) im Gespräch mit Johannes Wildner |
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Johannes Wildner
Frage:
Herr Wildner, ich möchte dieses Gespräch gerne mit einem "heißen Eisen" beginnen, nämlich die Aufführungspraxis der IX. Symphonie Anton Bruckners. Sie haben Ende der 1990er eine 4-sätzige Neunte eingespielt, die 2003 bei Naxos erschienen ist. Würden Sie das heute genau so machen? Johannes Wildner: Ja, das war eine Arbeit, die von Benjamin Gunnar Cohrs maßgeblich gesteuert worden ist. Ich finde den Satz toll, ich finde, man sollte ihn immer und immer wieder spielen. Ich glaube, daß es für den Brucknerfreund und -kenner ganz wichtig ist zu wissen, daß Bruckner nicht vorgehabt hat, mit dem Adagio aufzuhören. Ich würde allerdings in diesem Zusammenhang nicht ungern sehen, wenn ein Komponist sich noch einmal die Mühe machen würde, ein Finale mit einer vollwertigen Coda zu komponieren - denn die Coda ist nicht das, was so ein Lebenswerk abschließt. Darum wünsche ich mir, daß irgendwer noch einmal an der Coda dran "bastelt". Das ist wie bei einem guten Abendessen; das kann nicht bei Buchstabe Z enden, das kann nicht das Ende dieses Lebenswerkes sein, da muss noch Limonentorte, Käse, Kaffee kommen... so muss das abgeschlossen werden. Man kann nicht sagen: "Danke, wir sind in d-moll, Sie können nach Hause gehen..." Frage: Also Ihr Favorit: Eine Neukomposition auf Basis der vorhandenen Fragmente? (HG zeigt JW die Bruckner IX. reloaded* CD) Kennen Sie das? Johannes Wildner: Den kenne ich nocht nicht, nein....Ach doch, ja, natürlich! Was hat denn er gemacht? Die ist sicher sehr sehr gut, den kenn ich, den verehre ich auch sehr, weil der denkt unglaublich viel nach, hat sich unglaublich viele Gedanken gemacht, das ist ein intellektueller Mensch. Ist sie gut, die Coda? Ich bin höllisch neugierig, was dem Peter Jan Marthé eingefallen ist. Frage: Die Meinungen gehen von "...phänomenal..." bis ".. ein aufgeplustertes Nichts..". Zur Coda habe ich persönlich noch nichts negatives gehört. Johannes Wildner: Ich habe das übersehen, ich war zu der Zeit gerade in Verona, wir haben die Carmen gemacht. Ich wusste, daß er dran bastelt, aber daß es schon fertig ist? Ich werde mir das heute noch anhören. Wenn der Marthé jetzt eine Coda gefunden hat... Frage: Was halten Sie von der "Werkstatt-Idee", wie stehen Sie zur letzten Überarbeitung des Rekonstruktionsansatzes? Johannes Wildner: Das klingt sehr witzig; Das hat Harnoncourt in Wien und Salzburg gemacht. Bei der Wiener Aufführung war ich dabei; wie dann abgebrochen wird, dann dreht er sich zum Publikum und sagt: "Hier fehlen jetzt 8 Takte...", aber das allerbeste war, wo wir heute noch schallend lachen: "... und jetzt, meine Damen und Herren, gehen Sie nach Hause, machen Sie Ihre Küchenkästen auf, schauen Sie auch dort nach, wo das Besteck liegt, vielleicht ist noch ein Satz von Bruckner dabei..." Das ist wirklich köstlich, aber man kann das ja nicht spielen; man kann das dokumentieren, auch das ist interessant. So geht es also von Orel und Haas zu Nowak, von Nowak zu Philips, und jetzt ist unsere Generation sozusagen diejenige, die damit warten musste, bis der geschätze Nowak..., also der hätte an der Tür geläutet und hätte uns eine Ohrfeige gegeben... Herr Cohrs hat mir immer wieder seine neuen Forschungsergebnisse zugeschickt, eine Retusche war ja sogar von mir, aber die war bedeutungslos, ich bin ja nicht kreativ, bin kein Komponist. Es stellt sich immer die Frage: Braucht man das? Es gibt so viel tolle Musik von Bruckner, brauchen wir das, was er eh nicht fertig gemacht hat? Ich habe bei der X. Mahler weniger das Bedürfnis, weil es so wenig von der X. gibt. Bei Bruckner IX. ist das anders, da ist soviel vorhanden. Ich glaube, daß es für unser Weltbild wichtig ist, daß Bruckner uns den Blick ins Jenseits gezeigt hat, aber nicht gesagt hat, daß das jetzt das Ende ist. Das Ende ist das volle pralle Leben auf diesem Planeten. Und das ist für mich eine weltanschauliche Kluft. Ich gehe mehr und mehr dran, jede Faser der Bruckner-Symphonien hermeneutisch zu zergliedern, weil das einfach das Wahre ist, die Emotionen aufzusaugen und gleichzeitig wieder herauszulassen. Das ist für mich ganz wichtig. Die IX., ohne das Bewusstsein für den 4. Satz führt uns weltanschaulich in die Irre. Wir leben in einer Zeit, in der wir eine ganz große Krise unserer spirituellen Positionierung in unserer Umwelt dadurch erleben, daß wir nur an der Oberfläche sind. Das ist der Fluch dieses Jahrhunderts mit seinen zwei katastrophalen Kriegen, die alles ausradiert haben, was es an Spirituellem gegeben hat, so daß wir uns heute eine maßlose Oberflächlichkeit zu Schulden kommen lassen. Zur Überwindung dieser Oberflächlichkeit, da ist der Vierte Satz für das Bewusstsein gegeben. Es ist soviel da! Was ich nicht gut fände, wenn da jemand daher käme: "Das gefällt mir nicht, das schmeiße ich alles weg, ich komponiere einen eigenen Satz.." Das wäre zwar originell, aber das würde ich nicht so gut finden. So etwas wäre ja, wenn man die Zeitschiene wegfiltert, so etwas was Märzendorfer macht. Fortsetzung/Diskussion Dirigentenportät Johannes Wildner |
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#3 |
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Konzerthinweis
EINLADUNG Festkonzert zum 450-Jährigen Jubiläum der Bayerischen Staatsbibliothek Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks Johannes WILDNER, Dirigent (www.johanneswildner.com) Christina Landshamer, Sopran Christopher Corbett, Klarinette Eberhard Marschall, Fagott Donnerstag, den 31. Januar 2008, um 20.00 Uhr im Herkulessaal der Münchner Residenz Werke von Orlando di Lasso über Richard Strauss bis Max Reger. Live Übertragung auf Bayern 4 - auch im Internet: Esther Schollum Artists' NEWS jetzt aktuell auf unserer Website: http://www.art-mgmt.com/de/content/news.htm |
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