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Anekdoten und Begebenheiten Knödel und Gselchtes - und was sonst noch passt ...

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Alt 21.03.07, 11:01   #1 (permalink)
Wolfgang
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Ehrungen Bruckners

Am 22. November 1870 wurde Bruckner von seiner Heimatgemeinde Ansfelden zum Ehrenbürger ernannt.
Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

"Euer Wohlgeboren!
hochschätzbarster Herr Professor!
Wir unterzeichnete Vertreter der Gemeinde Ihres Geburtsortes Ansfelden nehmen es uns schon lange zur größten Freude und Ehre, daß wir Sie, Herr Professor, als einen unserer Gemeinde Entsprossenen, als ein Kind Ansfeldens, als unseren lieben Landsmann betrachten und schätzen können.
Nachdem Sie nun durch Ihr edles talentvolles und eifriges Wirken und Schaffen auf dem Gebiete der Tonkunst einen europäischen Ruf sich errungen, fällt notwendig ein Widerschein ein Widerschein Ihres Glanzes und Ruhmes auch auf jenen Ort, wo Ihr geschätzter Herr Vater unermüdlich und eifrig als Lehrer gewirkt, wo Ihre Wiege gestanden, wo Sie die frohen Tage Ihrer Jugend verlebt haben.
Unsere Freude darüber, unsere Liebe, Bewunderung und Verehrung für Sie, Herr Professor, glauben wir einen freilich nur schwachen Ausdruck dadurch geben zu können, daß wir Ihnen die Rechte eines Ehrenbürgers von Ansfelden verleihen und Ihnen hiermit die darüber ausgestellte Urkunde oder das Ehrenbürgerdiplom übersenden. Mögen dadurch die Bande, die Sie an ihren Geburtsort fesseln, noch inniger und fester geknüpft werden! Noch schwebt bei allen Ansfeldern in froher Erinnerung Ihr vorjähriger Besuch. Wir können nicht umhin, Ihnen unseren Wunsch und unsere Bitte auszusprechen, daß derselbe, sobald es Ihnen möglich ist, sich wiederholen möge.
Genehmigen Herr Professor gütigst diesen kleinen Beweis unserer Liebe und Verehrung und Bewunderung.
Ansfelden, am Fest der hl. Cäcilia, 1870.

L.S. Ortsgemeinde Ansfelden
(Unterschrift unleserlich)
Gemeindeausschußmitglieder

(zit. nach: Raabe, Peter, Bruckner, Regensburg 1944, S. 223 f.)
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
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Alt 21.03.07, 14:27   #2 (permalink)
Wolfgang
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Bruckners Ehrendoktordiplom

SUMMA AUCTORITATE
AUGUSTISSIMI IMPERATORIS AC REGIS
F R AN C I S C I J O S E P H I
IN UNIVERSITATE LITTERARUM VINDOBONENSI
NOS
A D O L P H U S E X N E R
IURIS UTRIUSQUE DOCTOR IURIS ROMANI
PROFESSOR PUBLICUS EQUES ORDINIS CORONAE
FERREAE CI. III.
H. T. UNIVERSATIS RECTOR
J U L I U S H A H N
PHILOSOPHIAE DOCTOR PHISICAE PROFESSOR
PUBLICUS ORDINARIUS IMPERATORIS AUSTRIAE
A CONSILIUS AULAE
ACADEMIAE SCIENTIARIUM VINDOBONENSIS SOCIUS
ORDINIS PHILOSOPHORUM H. T. DECANIUS
J O S E P H U S S T E F A N
PHILOSOPHIAE DOCTOR PHISICAE PROFESSOR
PUBLICUS ORDINARIUS IMPERATORIS AUSTRIAE
A CONSILIUS AULAE
EQUES ORDINIS CORONAE FERREAE CI. III PRAESITIS
ACADEMIAE SCIENTIARUM VINDOBONENSIS VICARIUS
PROMOTOR RITE CONSTITUTUS
EX DECRETO ORDINIS PHILOSOPHORUM
IN
VIRUM ILLUSTRISSIMUM
A N T O N I U M B R U C K N E R
QUI IN HAC UNIVERSITATE LITERARUM ARTIS
MUSICAE MAGISTRI PARTES AGIT
ARTIS SYMPHONICAE PERITISSIMUM REGIUM
MELOPOEUM ATQUE PRAECLARIS EIUSMODI
OPERIBUS COMPOSITIS MAGNAM APUD HOMINES
ELEGANTIORIS SENSUS FAMAN CONSECUTIUM
HONORIS CAUSA
PHILOSOPHIAE DOCTORIS NOMEN IURA
ET PRIVILEGIA
CONTULIMUS IN EIUSQUE REI FIDEM HASCE
LITTERAS UNIVERSATIS SIGIL SANDIENTAS
CURAVIMUS
VINDOBONAE DIE XXIX M. SEPTEMBRIS MDCCCLXXXXI:
A. E X N E R J. H A H N G. S T E F A N
__________________
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Alt 27.03.07, 11:46   #3 (permalink)
Wolfgang
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Die Promotion Bruckners war in aller Stille geschehen. Daher kam es erst am 11. Dezember zu einem vom Akademischen Gesangsverein organisierten "Bruckner-Kommers", an dem 3000 Menschen teilnahmen. Nach der Festrede von Franz Schaumann ergriff der Rektor der Universität Exner das Wort. Die Rede endete mit folgenden berühmt gewordenen zwei Sätzen:
"Wo die Wissenschaft halt machen muß, wo ihr unübersteigbare Schranken gesetzt sind, dort beginnt das Reich der Kunst, welche das auszudrücken vermag, was allem Wissen verschlossen bleibt. Ich, der Rector magnificus der Wiener Universität, beuge mich vor dem ehemaligen Unterlehrer von Windhaag!"
__________________
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Alt 14.07.07, 15:49   #4 (permalink)
Wolfgang
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Zeugnis Sechters

Bruckners bekam Unterricht über die Gesetze des doppelten, drei- und vierfachen Kontrapunktes bei Simon Sechter.
Bruckners Abschlusszeugnis hatte folgenden Wortlaut:
" Zeugniß.
Daß Herr Anton Bruckner Dom- und Stadtpfarr-Organist in Linz bei mir die Prüfung über den doppelten, drei- und vierfachen Contrapunct sowohl mündlich als schriftlich und zwar allseitig zu meiner vollsten Zufriedenheit abgelegt hat, und ich ihn daher als einen Meister in diesem Fache anerkenne, so daß jedermann vollkommenes Vertrauen zu ihm haben kann, welches Zeugniß ich ihm daher mit wahrem Vergnügen ertheile.
Wien, den 3ten April 1860.
Simon Sechter mpia
k:k: erster Hoforganist
und Professor der
Harmonie und des
Contrapunctes. "

Zit. nach: Nowak, Leopold, Anton Bruckner - Musik und Leben. Linz 1995 (3. Auflage), S. 316.

Was "mpia" bedeutet, weiß ich nicht - mir ist die Abkürzung nur bekannt als "Max Planck-Institut für Astronomie". Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

Gruß Wolfgang
__________________
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Alt 14.07.07, 21:53   #5 (permalink)
laubandel
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Reden

mpia = manu propria, zu teutsch: eigenhändig. Das schnörkelige Anhängsel an (nicht nur) Bruckners Unterschrift ist genau das, zusammengezogen. also kein bäuerischer Drudenfuß, wie manche behaupten...


Grüßle

laubandel

(dessen Computer hoffentlich bald wieder alle Funktionen zurück hat).
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Alt 15.07.07, 14:31   #6 (permalink)
Wolfgang
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Zitat:
Zitat von laubandel Beitrag anzeigen
mpia = manu propria, zu teutsch: eigenhändig. Das schnörkelige Anhängsel an (nicht nur) Bruckners Unterschrift ist genau das, zusammengezogen. also kein bäuerischer Drudenfuß, wie manche behaupten...


Grüßle

laubandel

(dessen Computer hoffentlich bald wieder alle Funktionen zurück hat).
Schönen Dank, laubandel!
Ich dachte immer, eine eigenhändige Unterschrift würde nur mit "m. p." verifiziert. Und dazu hätten meine Lateinkenntnisse, die nach langer Zeit ein bisschen eingerostet sind, noch gereicht. Man lernt immer neu...
Ich hoffe, dass der Computer wieder richtig "funzt" (wie es so hässlich im Computerjargon heißt).

Gruß aus dem Emsland
Wolfgang
__________________
"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)
Wolfgang ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.07.07, 21:58   #7 (permalink)
laubandel
Hoforganist
 
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Ort: Breisach
Beiträge: 172
Zitat:
Zitat von Wolfgang Beitrag anzeigen
Schönen Dank, laubandel!
Ich dachte immer, eine eigenhändige Unterschrift würde nur mit "m. p." verifiziert. Und dazu hätten meine Lateinkenntnisse, die nach langer Zeit ein bisschen eingerostet sind, noch gereicht. Man lernt immer neu...
Ich hoffe, dass der Computer wieder richtig "funzt" (wie es so hässlich im Computerjargon heißt).

Gruß aus dem Emsland
Wolfgang
Lieber Wolfgang,

das ist natürlich völlig richtig, üblicherweise gibt man das m.p. wieder. Es kann natürlich auch eine Besonderheit Nowaks sein, bei Göllerich-Auer steht da einfach (S.S.) Wieviele Buchstaben in so einem Schnörkel stecken mögen?

Hier eine Probe der Unterschrift Sechters: (Scan nach dem Faks. des Briefes vom 3.11.1859 in Göll.-Au.)



Mal sehen ob das Gelenk gelingt...


Grüßle
laubandel
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