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Anekdoten und Begebenheiten Knödel und Gselchtes - und was sonst noch passt ...

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Alt 24.01.07, 11:10   #1 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
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Bruckners Lebensart

Ein weiterer Beweis, daß von der Lächerlichkeit seiner äußeren Erscheinung und einer geringen Intelligenz keine Rede sein konnte - dies hat erst journalistische Effekthascherei in die Welt gesetzt - ist der jahrelange Verkehr des Meisters mit einer Tafelrunde von Ärzten im Restaurant Riedhof in der Josefstadt...
(Bericht von Dr. Alexander Fränkel)... Er war als unser Tischgenosse uns gegenüber von einer geradezu peinlichen Bescheidenheit; immer wieder glaubte er hervorheben zu müssen, daß er es sich zur großen Ehre anrechne, als "armer Musikant" von so "gelehrten" Herren so freundlich, rücksichtsvoll und freundschaftlich aufgenommen zu sein. Unseren medizinischen Gesprächen lauschte er mit gespannter Aufmerksamkeit und mit rührendem teilnahmsvollen Interesse um die Menschen, von deren Krankheitszuständen, Operationen etc. wir sprachen. Er kam immer wieder darauf zurück und wurde nicht müde, sich über den Zustand der besprochenen Kranken durch Fragen im Laufenden zu halten, freudig bewegt, wenn er gute Auskunft erhielt, in tief trauriger Verstimmung, wenn er erfahren mußte, daß die ärztliche Kunst versagte. Das ging so weit, daß wir schließlich aus Schonung ihm manche traurige Wahrheit vorenthielten. Bruckner gab sich, wenn er medizinische Belehrung suchte, keineswegs mit leichthin gegebener Auskunft zufrieden; er wollte gründlich unterrichtet sein und so mußte oft genug, zumal wenn es sich um anatomische Information handelte, auch die Illustration helfen. Der ihm auf diese Weise vermittlelte Einblick in den Bau des menschlichen Körpers eröffnete ihm förmlich eine neue Welt, von der er bis dahin auch nicht eine Ahnung hatte; Bruckner bekundete aber nicht nur für unsere medizinischen Gespräche - auch dann, wenn sie streng wissenschaftlicher Art waren - lebhaftestes Interesse und suchte auf diesem Gebiet in unserem Kreis Aufklärung, sondern war für alle Zweige des Wissens von größter Aufnahmsfähigkeit, und da er uns schon für seinen gelehrten Areopag hielt, waren wir oft berufen, so gut wir es eben konnten, gegenüber manchen Fragen Stand zu halten, die er den verschiedensten Zweigen der zeitgenössischen geistigen Bestrebungen entnahm.
Es fiel unser Verkehr gerade in die Zeit des großen Aufschwungs der Elektrotechnik, und mir selbst war einmal der Vorzug beschieden, ihm in der damals ersten Ausstellung für angewandte Elektrizität als Cicerone zu dienen. Ich war bemüht, nach Maßgabe meines allerdings sehr geringen Sachverständnisses ihm die Phänomene an der Hand der Ausstellungsobjekte tunlichst zu erklären. Daß Bruckner über das, was man gemeinhin "Bildung" nennt, nur in bescheidenstem Maße verfügte, muß ohne weiteres zugegeben werden. Soweit Bildung mit Angelerntem identifiziert wird, konnte er ja seinem ganzen Entwicklungsgang nach nicht viel davon besitzen. Wer ihn aber näher kannte, dem wurde es bald klar, wie sehr erweiterungsfähig sein geistiger Horizont und wie anpassungsfähig sein Intellekt war. Ein Büchermensch war er freilich nicht; er nahm aber verständnisvoll auf, was die Außenwelt seinen Sinnen zuführte und was er gleichsam peripathetisch erlernen konnte, das eignete er sich mit großer Leichtigkeit an. Wenn auch die Summe des Wissens, das er mit sich führte, kein großes Gewicht hatte, so war seine Intelligenz eine die Druchschnittsbegabung weit überragende."

(aufgelesen: Göllerich-Auer 4/2)
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Alt 25.01.07, 18:16   #2 (permalink)
his masters voice
"Bruckners Wesen"
 
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Bericht von Dr. Alexander Fränkel: Fortsetzung

... Das ungesucht Eigenartige seines ganzen, äußeren Menschen, zusammengehalten mit der ganz ungewöhnlichen Schlichtheit, Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit seines Wesens mußte sofort auffallen. Wurde man dann im weiteren Verkehr gewahr, welchen höchsten, künstlerischen Zielen, um ihrer selbst willen dieser einfache Mann wie einem ganz Selbstverständlichen zustrebte, keinen Augenblick an der erforderlichen Kraft zweifelnd, oder ganz verzagend, nur erfüllt von seiner Aufgabe, so mußte man sagen, daß in diesem Manne das Bedeutende sich in ganz ungewöhnlicher Erscheinung kundgab, wie eine durchaus ursprüngliche, ganz natürliche Fuktion eines hiezu prädestinierten Organismus.

Seine Schaffenskraft - das war klar - konnte die elementare Äußerung einer ein- und angeborenen Anlage sein... Melancholie und Märtyrerpose trug er keine zur Schau - und was das Erfreulichste war, seine Schaffenskraft blieb ungemindert. Unbeirrt und unentwegt ging er auf sein hohes Ziel los.

Was er persönlich dazu tat, um dem ausbleibenden Erfolg einigermaßen nachzuhelfen, ist besonders geeignet, seine Naivität in das richtige Licht zu stellen. So die Wirkung, die es sich dadurch erhoffte, daß er einzelne seiner Kompositionen hoch- und höchstgestellten Persönlichkeiten widmete, oder gar, daß er die Gunst Hanslicks dadurch zu gewinnen glaubte, daß er dessen Frau höchst persönlich unter Überreichung eines Blumenstraußes seine Glückwünsche zum Namenstag darbrachte. Auch auf das zeitweilige Erscheinen Billroth's (Theodor Billroth, bedeutender Chirurg in Wien, mit Johannes Brahms befreundet) an unseren Riedhof-Abenden setzte er Hoffnungen ...

(aufgelesen: Göllerich-Auer 4/2)
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Alt 26.01.07, 10:47   #3 (permalink)
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Kleidung

Auf modische Kleidung gab Bruckner nichts. Er ließ nie Maß nehmen, sondern die neuen Kleider einfach nach dem Muster der alten anfertigen, die er noch aus Linz mitgebracht hatte. Dauerhaft und bequem mußten sie sein, das war alles, was er von seines Leibes Hülle verlangte.
So trug er denn einen breitkrempigen schwarzen Schlapphut, allerdings meist in der Hand und nicht auf dem stets glattgeschorenen mächtigen Cäsarenschädel. Den kurzen Hals umschloß ein flacher weißer Umlegkragen mit schwarzem "Maschl".
Der dunkle Lodenanzug mit den kurzen, bis auf die Knöchel reichenden, überweiten Beinkleidern wurde durch derbe Halbstiefel aus Seehundsleder vervollständigt. Allem Zureden zum Trotz blieb Bruckner bis zu seinem Lebensende bei dieser Tracht.

(aufgelesen: Hans Commenda, Geschichten um Anton Bruckner)
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Alt 02.02.07, 09:51   #4 (permalink)
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Als Fußbekleidung trug er stets beinahe viereckige Röhrenhalbstiefel aus Seehundleder mit einer Art Bügelfalte über den Rist, von denen er damals 11 Paar, bei seinem Tode an die 30 besaß, darunter 2 Paar genagelte Bergschuhe.
Als Kopfbedeckung hatte er das "Hüat'l", einen gewöhnlichen, grünlichgelben Filzhut, den "Hut", einen feinen schwarzen Schlapphut von der Firma Franz Topolka, Schottenring 3 und einen "Cylinder", womit ein unförmlicher Claquehut gemeint war. Freilich erfüllten diese Kopfbedeckungen selten ihre Bestimmung, da sie meist in der Hand geschwungen wurden.
Ein weitausgeschnittenes Hemd mit Umlegkragen und ein schwarzer Schlips vervollständigten die Garderobe des Meisters.

(aufgelesen: Göllerich-Auer 4/2)
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Alt 04.02.07, 11:53   #5 (permalink)
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"Seit vielen Jahren sieht er wie ein Achtziger aus. Freilich wie einer von jenen, die hundert Jahre alt werden ... Vor einem Jahr hat Viktor Tilgner diese Gestalt in Erz gegossen, bis an den Gürtel. Wie sie dastand in ihrer breitspurigen Leiblichkeit, von dem eigensinnigen Umriß des kahlen (sic)Schädels gekrönt, mit diesem zerfurchten Angesicht, aus dem die ganz individuelle Nase sich so imperatorisch herausbäumte, da mochte einer, der den Meister nicht persönlich kannte, raten: Das ist Kaiser Nero oder Caligula oder Heliogabalus im 90. Lebensjahr. Eine so grausame Entschiedenheit liegt in diesem Profil, eine solche Härte steckt in diesem untapezierten Schädel ...
Und dabei ist dieser Gewaltmensch eine "Seele", wie es wenige gibt. Man sieht es ihm deutlich an. Denn solche kreisförmige Leibesumfänge kommen nur bei seelensguten Menschen vor ...

Der Schnitt seiner Beinkleider ist in- und außerhalb der Musikwelt Wiens als durchaus originell anerkannt; Techniker rühmen daran die Lösung der Aufgabe, einen Trichter mit zwei Röhren zu konstruieren. Auch seine kurzen sakkoförmigen Röcke würden keinem anderen Sterblichen sitzen, während sie seine Person ganz stilgerecht umflattern. Sein schwarzer Schlapphut hat nicht minder einen eigenen Sitz ..."

Ludwig Hevesi (1843-1910), Wiener Kunstkritiker und Schriftsteller auch humoristischer Werke, beschreibt am 04.09.1894 den gerade 70jährigen Anton Bruckner

(aufgelesen: L. Hevesi, Eine Wiener Figur, in: Kunst des Tages. Eine Sammlung Wiener Meisterfeuilletons, Hrsg. Alfred Zohrer, Wien 1946)
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Alt 08.02.07, 10:34   #6 (permalink)
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"Bruckners Wesen"
 
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"Hugo Wolf kam einmal in späteren Jahren dazu, als Bruckner zwischen 6 und 7 Uhr abends, da er erst gegen zehn Uhr zur eigentlichen Abendmahlzeit ausging, eine Riesen-Portion Nockerlsuppe schlürfte. "Na, Herr Professor", meinte Wolf erstaunt, "ich gratulier' zu der Portion." Bruckner hörte gleich zu essen auf undließ die Suppe hinaustragen. Zu Kathi aber sagte er: "Den Flegl lassen's ma nimmer eina, der is a steirischer Lümmel."

(Göllerich-Auer 4/1, S. 124.)
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Alt 02.06.09, 00:12   #7 (permalink)
kunnukun
hat sich schon eingelebt
 
Registriert seit: 01.06.2009
Beiträge: 8
"Bruckner litt an verschiedenen Zwangsvorstellungen. So trug er aus Angst vor einer Pollution ein wasserdichtes Unterkleid, wenn er sich in öffentlicher Gesellschaft befand", heißt es in Wikipedia. Kennt jemand die Quelle?
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